Diesen Artikel wollte ich schon lange schreiben, bisher kam allerdings irgendwie immer was dazwischen. Und auch diesmal stimmten nicht alle Vorraussetzungen, sollte der Artikel doch eigentlich „Einkaufen rund um die Uhr“ oder „Walmart, nachts um halb zwei“ heißen. Denn mein Lieblings-Walmart hat nämlich 24h, 7 Tage die Woche rund um die Uhr geöffnet. Marco und ich haben selbstverständlich schon den Versuch gewagt und uns nachts mal hier umgeschaut. Nur heute waren wir ausnahmsweise schon abends um 8 da – hatten dafür aber eine Kamera dabei, um das Ganze ein wenig zu dokumentieren.
Eins gleich vorweg: Walmart ist nicht gleich Walmart. Wenigstens etwas aus der Marketing-Klasse behalten. Es gibt nämlich neben den normalen „discount stores“, noch die „supercenter“ und die „mega stores“, welche sich alle angesichts ihrer Größe und ihres Angebots unterscheiden. Unser Walmart ist ein „supercenter“, dass heisst neben „food“ gibt’s auch noch ‘ne ganze Menge „non-food“-Artikel wie Gießkassen, Federbetten und Waschmaschinen.
Walmart ist der amerikanische Lebensmittelstore schlechthin. Ich und Marco gehen jedoch meist zur Konkurrenz: Publix oder Target, auch weil die gleich bei uns um die Ecke sind. Preislich ist der Walmart allerdings nicht zu schlagen und so springen einem nachdem man den Eingang passiert hat, die riesigen Rabatt-Schilder nur so um die Ohren. Das bekommt man bei uns in Deutschland aber auch schon in jedem Discounter zu spüren, also ignorieren wir dies gekonnt und betreten frohen Mutes das Schnäppchenparadies.
Los geht’s beim Obst direkt am Eingang und hier lauert schon die erste Hürde: Rechnen. Lohnen sich 3 kleine Packungen Erdbeeren zum Preis von Zweien mehr, oder nehme ich doch lieber die Jumbo-Packung für $6 mit einem Dollar off. Was ist billiger: die Tüte Weintrauben zu $1,75 das Pfund oder die alte Sparvariante mit den Bananen, die so schnell schlecht werden. Wer hier an der Obstabteilung besteht, der hat auch beste Vorraussetzungen den gesamten Einkauf zu überleben. Denn Spar- und Rabattangebote – darin macht den Amerikaner keiner was vor. Und es scheint wirklich zu funktionieren. Man kauft tatsächlich mehr, einfach nur weil’s doch gesenkt war. Ohne Einkaufsliste (siehe Marco) ist man hier also schonungslos verloren und kann nur hoffen, dass das Kreditkartenlimit an der Kasse nicht wackelt. Denn vor die Kasse muss jeder, ob er will oder nicht.
Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in den USA auch eine riesige Torten- und Cookie-Abteilung (hier verliere ich den Marco regelmäßig), gefolgt von der Brotecke, in der ich meistens (den Marco wiederfinde und) verzweifle, dass es hier kein antändiges Brot gibt, das sich nicht wie eine Zierharmonika zusammendrücken lässt. Danach ab zur Salattheke und ich hab den größten Teil der Einkaufsliste eigentlich schon abgearbeitet. Konsequenterweise müsste man ab hier den Laden verlassen, aber das macht man ja nicht und ‘drum wird’s auch immer so teuer am Ende.
Als nächstes kommt die Tiefkühlwarenabteilung. Nicht wie beim Real oder Liddl zum Reingreifen, sondern mit kilometerlangen Gängen und großen kleiderschrankähnlichen Türen. Dahinter verbirgt sich alles was man Einfrieren und aufgetaut wieder essen kann und noch vieles mehr. Ähnelt irgendwie einem modernen Leichenschauhaus. Ich würde mal tippen Marco’s Lieblingsabteilung. Pizza gibt’s in gigantischen Mengen, allerdings nur 3 Sorten und von allen dreien ist mir schon schlecht geworden, also halte ich mich da immer zurück.
Die Menschen, die hier einkaufen (insofern sie denn Englisch sprechen können) haben alle eins gemeinsam: sie sind fast allesamt freundlich und alt (welcome to Florida!) und eine Beinahkarambolage mit dem Einkaufswagen, der sich mittlerweile schon ganz stattlich gefüllt hat, endet manchmal sogar in einem munteren small-talk. Aber wehe, wehe man blockiert bei uns beim Plus mit dem Einkaufswagen mal den Ständer mit den Spreewaldgurken. Das kommt fast schon einer Kriegserklärung gleich und wird mit bösen Blicken bestraft.
Aber halten wir uns nicht lange bei solchen Nebensächlichkeiten auf und schauen uns mal die Preise an. Letztenendes (bin ich zumindest der Meinung) kommen wir momentan so ungefähr auf das selbe raus. Ein Wocheneinkauf kostet hier in der Drehe so $50-60; das sind um die 35€. Manche Sachen sind teurer: Käse- und Milchprodukte, Wurst, Obst. Andere wiederum wesentlich billiger: Shrimps, Minutenterrinen, Chips und andere unnütze Sachen. Das Angebot insgesamt ist jedoch größer als in Deutschland. Allerdings auch bei vielen Produkten wie Erdnußbutter, Dosensuppen oder mexikanischen Steaksoßen – welche mich eh’ nicht so brennend interessieren.
Typisch amerikanisch ist auch „root-beer“, eine Cola-Malzbier-Gewürz-Whatever-Mischung mit viel Zucker. Absolut überhaupt nicht mein Fall. Sehr abzuraten ist auch von „beef jerky“. Habe ich zum ersten Mal in Tankstellen gesehen und gedacht, das wäre nur für Hunde. Gibt’s aber auch in jedem Supermarkt. Ist so eine Art getrocknetes und gepöckeltes Rindfleisch zum für Unterwegs kauen. Disgusting! Was gibt’s noch? Marshmellow fluff zum Beispiel – zähflüssige Marshmellow Creme zum auf’s Brot schmieren für den, der’s gerne widerlich süß und kalorienreich mag.
Natürlich haben wir auch leckere Produkte gefunden, die wir an dieser Stelle auch sehr empfehlen möchten, wie z.B. Ben&Jerry’s-Eis, american cookies und brownies (kein Vergleich zu den staubtrockenen deutschen), fried plaintains und Oreo Kekse.
Gelangt man endlich an die Kasse (den „non-food“-Bereich spare ich heute mal aus), kommt meist das böse Erwachen. Allerdings in doppelter Hinsicht: heute ist „self-checkout“ angesagt. Für alle, die das nicht kennen, sei erklärt, dass man hier quasi den Job des Kassierers gleich noch mit übernimmt. War mir klar, dass das prima zur Firmenpoltik des Walmart passt, schließlich kann man so noch ein paar Personalkosten sparen. Ganz nebenbei: Walmart ist laut Wikipedia übrigens der Besitzer der zweitgrößten Datensammlung der Welt, direkt nach dem US-Verteidigungsministerium. Durch das „self-checkout“ helfe ich natürlich gerne selber noch ein wenig, diese Datenbank aufzubessern.
Jedoch wollte die Maschine partout nicht richtig anspringen, aber durch einige gekonnte Tastenkombinationen und auserlesene Schimpfworte seitens der „Kundenaufsicht“ lies sich das Problem dann doch beheben. Nachdem wir unsere Sachen dann selbst gescannt, gewogen und in die Tüten gepackt hatten, war der Einkauf dann mehr oder weniger erledigt. Zumindest können wir jetzt von uns behaupten, dass falls das mit der Medieninformatik doch nichts wird, wir die Aufnahmeprüfung als Kauflandkassierer schon bestanden hätten. In diesem Sinne getreu dem Motto des Walmart: „Save Money. Live better.“ Gute Nacht!
Dokumentarisch belegt ist das ganze auch noch: http://bs7florida.dphoto.com




1 comment
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März 24, 2008 um 11:32
Gisela Lehmann
Ja, genausoisses oder besser so haben wir es erlebt. Beim Lesen habe ich mich in den Supermarket zurückgesetzt gefühlt. Wobei ich verständlicherweise die Outlets mehr geliebt habe. Oh, verrücktes Amerika – es war sehr schön.
Ich schreib lieber nicht bis bald. Denn da höre ich schon Bedauern. Aber eine Weisheit sagt, nach einer schönen Zeit kommt garantiert eine noch schönere.
In diesem Sinn viele Grüße aus dem für kurze Zeit weißen Ostern aus LE.
G&J