Unser Mitbewohner Chris graduiert dieses Semester – sprich ab Freitag sind wir ihn los – also was liegt da näher als ihm ein kleines Abschiedsgeschenk zu machen. Statt den üblichen Geschenken, wie mal wieder einer neuen Schnapsflasche kam uns in dem Sinn, ihm einen Pie (=Kuchen) zu machen. Normalerweise kauft man den ja im Supermarkt, doch da intervenierte ich und schlug vor, ihm einen selbstgemachten Pie zu schenken. In die Gesichter hättet ihr sehen sollen: ungläubiges Staunen und hochgezogene Augenbrauen, doch dann wurde meinem Vorschlag anerkennend zugenickt. Im einem Land, das uns so wunderbare Dinge wie Toastkuchen oder Mikrowellen-Popcorn beschert hat, sollte es doch 3 Studenten wohl möglich sein, einen Kuchen zu backen. Wobei wir allerdings das Backen als erstes von der Liste gestrichen haben – viel zu aufwändig.

Also auf zum Target (=Supermarkt) und ab zur Tortenbodenabteilung. Da lachten uns doch schon zwei – ich nenn’s jetzt der Einfachkeit halber mal – Biscuit-Tortenböden an, die zu 100% aus zerbröseltem Keks bestanden. Genau die mussten es sein! Und weil wahrscheinlich die meisten dieser Biscuit-Tortenböden-Käufer genau wie wir absolut keine Ahnung hatten, was man denn für einen Pie sonst noch alles so braucht, da haben diese gewitzten Amerikaner in weiser Vorraussicht doch einfach ein kleines Rezept mit auf die Verpackung draufgeklebt. Awesome, dude! Ein Bananen-Pie wirds also. Logischerweise braucht man dafür natürlich Bananen und für den anderen Kuchen haben wir ein paar Ananas-Stückchen gekauft. Aus der Dose versteht sich. Man muss ja sparen als Student. Vier Packungen Pudding und eine Schüssel Schlagsahne standen außerdem noch auf dem Rezept.

Zuhause angekommen haben wir erstmal die Banane geschält und in Scheiben geschnitten. Ob ihr’s glaubt oder nicht, dass war schon die schwerste Aufgabe. Danach einfach das Pudding-Pulver mit Milch anrühren (als erfahrener Koch gilt: sämtliche Mengenangaben nach Gefühl) und auf die Bananen (die mittlerweile im Tortenboden liegen sollten) geschmiert. Und dann ab das Ganze für vier Stunden in den Kühlschrank. Zeit genug, um mal kurz in die Gym zu gehen und schon mal ein paar Kalorien zu verbrennen.

Nach vollendeter Wartezeit die Schlagsahne auf den Pie schmieren und fertig ist die Überraschungstorte. Für Fortgeschrittene, denen der Pie so noch zu langweilig aussieht, bietet sich an, ihn noch mit irgendetwas zu garnieren. Wir haben zufällig noch ein bisschen Schokolade rumliegen gehabt und die dann draufgepackt. Letzenendes ein ziemlich billiges Unterfangen, denn mehr als $8 haben beide Pies zusammen nämlich nicht gekostet. Vom Resultat könnt ihr euch hier unten überzeugen.

Making the pie Mahendra doesn’t care

Die beste Geschichte kommt aber erst noch: mit Pie bewaffnet haben wir uns also abends in Chris’ Zimmer geschlichen und ganz herzlich zur Graduation gratulieren wollen. Der hat uns allerdings erstmal aus seinem Zimmer geschmissen und gemeint das sollen wir ja nicht nochmal machen. Wie denn auch, ab Freitag bist du Schnelldenker doch auch nicht mehr da! That’s so rude! Typen gibt es! Wahrscheinlich mag er einfach nur keinen Kuchen. Naja, was solls. Dann haben wir uns halt erstmal ein Stückchen gegönnt. Ziemlich lecker war’s. Fazit: Ich denke, dass hätten wir wohl sogar in der Burgstraße hinbekommen.

In Chris’ room